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Vergleich von Znuny und OTOBO Ticketsystemen

Znuny und OTOBO sind Forks der inzwischen eingestellten OTRS Community Edition und haben sich zu eigenständigen Open-Source-Ticketsystemen weiterentwickelt. Beide Lösungen gehören zu den bekanntesten OTRS-Forks und bieten zahlreiche Funktionen für die effiziente Verwaltung von Kundensupport-Anfragen. Dennoch unterscheiden sie sich in einigen zentralen Aspekten. Im folgenden Znuny-vs-OTOBO-Vergleich beleuchten wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede – von der Funktionsvielfalt über Docker-Unterstützung und REST API bis hin zu künstlicher Intelligenz (KI), Installation und Demo-Möglichkeiten.

OTOBO: Ein modernes Open-Source-Ticketsystem

OTOBO baut auf OTRS 6 auf und erweitert dieses um moderne Funktionen sowie eine verbesserte Benutzererfahrung. Es handelt sich um ein webbasiertes Helpdesk-System zur Verwaltung von Kundenanfragen. Die Hauptmerkmale von OTOBO umfassen:

  • Modernes Kundenportal: Komplett neu gestaltete, benutzerfreundliche Oberfläche für Endbenutzer, optimiert auch für mobile Geräte.
  • Optimierte Formulare: Vereinfachte Ticketerstellung durch konfigurierbare Formulare und Eingabefelder.
  • Erweiterte Sicherheitsfunktionen: z. B. Passwortrichtlinien, Brute-Force-Schutz, Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) und fein granulierte Zugriffsrechte.
  • Einfache Migration von OTRS: Integrierte Migrationsskripte ermöglichen einen reibungslosen Übergang von einer OTRS 6 Installation zu OTOBO.
  • Elasticsearch Live-Suche: Schnellere und präzisere Suchergebnisse durch Integration von Elasticsearch für die Volltextsuche.
  • Integration mit OpenStreetMap: Geographische Daten können direkt im Ticket angezeigt werden (nützlich z.B. für standortbezogene Tickets).
  • Flexible Eskalationsoptionen: Erweiterte Eskalationsregeln für bessere Kontrolle im Eskalationsmanagement.
  • DSGVO-Unterstützung: Funktionen zur Einhaltung der GDPR/DSGVO (z.B. Anonymisieren von Tickets) sind integriert.
  • Verbesserte Performance: Überarbeitete Codebasis und Caching (Redis) führen zu schnelleren Reaktionszeiten.
  • KI-gestützte Ticketklassifizierung: Optional steht ein KI-Plugin zur Verfügung, das Machine-Learning nutzt, um Tickets automatisch zu kategorisieren und Prioritäten zu vergeben.

Znuny: Der evolutionäre Nachfolger von OTRS

Znuny ist die direkte Fortsetzung des OTRS-Projekts durch die Community (gepflegt von der Znuny GmbH) und legt den Fokus auf langfristige Stabilität und Kompatibilität, ergänzt um ausgewählte Neuerungen. Zu den herausragenden Features und Eigenschaften von Znuny gehören:

  • Kontinuierliche Weiterentwicklung: Znuny erhält regelmäßige Updates mit Bugfixes und neuen Features. Beispielsweise wurden in neueren Versionen Funktionen wie Terminfilterung im Kalender, OAuth2-Unterstützung für externe Dienste (Invoker), Benutzererwähnungen (@-Mentions in Ticketnotizen) und Text-Snippets hinzugefügt.
  • Sicherheits- und Compliance-Optionen: Unterstützung für verschachtelte LDAP-Gruppen (Nested Groups) zur Rechtevergabe, verbessertes S/MIME-Handling (Schlüsselverwaltung) und weitere Sicherheitsupdates sorgen für ein sicheres System.
  • Flexible Anpassbarkeit: Durch ein Paket-System und die GenericInterface-Webservices lässt sich Znuny vielfältig erweitern und in andere Systeme integrieren. Filteroptionen und ACLs erlauben eine individuelle Konfiguration der Oberfläche und Prozesse.
  • Revisionssicherheit: Alle Ticketänderungen werden lückenlos protokolliert, sodass Änderungen und Aktionen jederzeit nachvollziehbar sind (wichtig z.B. für auditierbare Prozesse).
  • ITIL-Komponenten verfügbar: Znuny bietet optionale Add-ons wie das ITSM-Modul (inkl. CMDB für Asset-Management) und FAQ-Modul als freie Erweiterungen, um einen Funktionsumfang ähnlich der früheren OTRS::ITSM Suite bereitzustellen.
  • Starke Community-Unterstützung: Als offizieller Community-Fork von OTRS verfügt Znuny über ein aktives Forum und Community-Contributions. Viele ehemals kostenpflichtige OTRS-Features wurden durch die Community in Znuny weitergeführt.

Versionen und aktuelle Entwicklungen

Beide Projekte haben sich seit der Abspaltung von OTRS kontinuierlich weiterentwickelt und veröffentlichen regelmäßig neue Versionen:

  • OTOBO Version 10 (erstmals veröffentlicht 2020) bildet die Grundlage der aktuellen OTOBO-Installation. Diese Version brachte die modernisierte Web-Oberfläche und zahlreiche der oben genannten Verbesserungen. Seither erscheinen regelmäßige Patch-Releases (z.B. 10.0.17, 10.0.18 etc.), die Fehlerbehebungen und kleinere Features liefern. Für die Zukunft ist bereits OTOBO Version 11 angekündigt, welche weitere Optimierungen und neue Funktionen mitbringen soll (Softoft hat hierzu Vorabinformationen veröffentlicht). Die OTOBO-Entwickler (Rother OSS GmbH) legen Wert auf eine innovative Roadmap – beispielsweise wurde früh eine KI-Integration als optionales Modul bereitgestellt.

  • Znuny hat die OTRS 6 Codebasis übernommen und zunächst als Znuny 6 weitergepflegt (inklusive **Znuny LTS 6.5 *, einer Long-Term-Support-Version für Unternehmen, die auf maximale Stabilität setzen). Im März 2023 erschien * Znuny 7.0, das einen bedeutenden Schritt nach vorn darstellt: Die Kundenoberfläche wurde zu 70% neu gestaltet (Welcome Znuny 7), um moderner und benutzerfreundlicher zu sein, während das Agenten-Interface behutsam modernisiert, aber bewusst vertraut gehalten wurde (Welcome Znuny 7). Aktuell (Anfang 2025) ist Znuny 7.1 die stabile Hauptversion, und für Q3 2025 ist bereits Znuny 7.2 geplant (Roadmap). Znuny 7 bringt auch technische Modernisierungen „unter der Haube“, welche zukünftige Anpassungen und Erweiterungen erleichtern sollen (Welcome Znuny 7). Wichtig zu erwähnen: Znuny 7.x sind Feature-Releases und benötigen aktive Pflege durch den Nutzer, während Znuny LTS 6.5 weiterhin Sicherheitsaktualisierungen bis mindestens Ende 2025 erhält (Roadmap). Somit bietet Znuny sowohl eine konservative LTS-Schiene als auch eine progressive Release-Schiene.

Vergleich der Funktionalitäten

Nachfolgend eine tabellarische Gegenüberstellung wichtiger Merkmale von OTOBO und Znuny:

MerkmalOTOBOZnuny
BasisFork der OTRS Community Edition 6Fork der OTRS Community Edition 6
EntwicklerRother OSS GmbH (Initiator und Hauptentwickler)Znuny GmbH (geführt von ehemaligen OTRS-Community-Entwicklern)
Lizenz100% Open Source (GNU GPL v3) – keine proprietären Module100% Open Source (GNU GPL v3) – vollständig frei verfügbar
Docker-UnterstützungJa – offizielle Docker-Images und Docker-Compose-Vorlagen für eine schnelle Installation sind verfügbarKeine offiziellen Images (Installation klassisch auf Linux-Server oder via inoffizielle Community-Docker-Container)
KundenportalKomplett neu gestaltetes Kundenportal (modernes UI, responsive Design, intuitive Bedienung)Kundenportal aus OTRS 6 mit Verbesserungen; in Znuny 7 teils neu designt, aber nicht von Grund auf neu entwickelt wie bei OTOBO
ElasticsearchIntegriert mit erweiterten Konfigurationsmöglichkeiten (komplexe Index-Konfiguration, Live-Suche)Integriert als optionale Such-Engine mit den Standard-Funktionen aus OTRS (Indexierung grundlegender Ticketfelder)
OAuth2 für E-MailJa – unterstützt OAuth2 für IMAP/POP3 seit OTOBO 10.0.11 (z. B. für Office 365 ohne unsichere Basic Auth)Derzeit eingeschränkt – direkte OAuth2-Unterstützung für E-Mail-Konten wird voraussichtlich in Znuny 7.2 über die Microsoft Graph API realisiert (Roadmap) (bis dahin Workarounds nötig)
MigrationstoolsMigration von OTRS 6 zu OTOBO wird unterstützt (Skripte und Anleitungen vorhanden)Migration von OTRS 6 zu Znuny nahtlos möglich; auch eine Übernahme einer bestehenden OTOBO-Datenbank nach Znuny wurde von der Community erfolgreich durchgeführt (mit Konvertierungsschritten)
CommunityAktive Community, Forum und regelmäßige Beiträge (noch kleiner als bei Znuny, aber stetig wachsend)Sehr aktive Community mit offiziellem Forum (community.znuny.org) und vielen Erweiterungen durch Nutzer
SicherheitsupdatesRegelmäßige Security-Patches durch die Entwickler (Rother OSS) und Community-BeiträgeRegelmäßige Security-Patches und Bugfix-Releases (Znuny GmbH stellt Updates zeitnah bereit, besonders für LTS-Versionen)

Weitere Funktionen

FunktionOTOBOZnuny
Workflow/Prozess-ManagementJa – umfassende Unterstützung (inkl. grafischem Prozessdesigner für Abläufe)Ja – grundlegende Unterstützung (Prozessmanagement aus OTRS 6, funktional aber weniger komfortabel)
ITIL-/ITSM-KomponentenJa – ITSM-Module (Change Management, Configuration Management/CMDB etc.) sind integriert oder als Packages verfügbarJa – ITSM (inkl. CMDB) als freies Add-on verfügbar (für Znuny 7 portiert und installierbar) (Welcome Znuny 7)
Reporting & AnalyticsUmfangreiche Statistiken und Reports via integriertes Statistikmodul, zusätzliche grafische Auswertungen durch Add-on möglichStandard-Statistikmodul aus OTRS mit vordefinierten Berichten (erweiterbar durch Community-Add-ons)
API-UnterstützungJa – REST API und SOAP Webservices (Generic Interface) für Integration mit Drittsystemen, inkl. erweiterten Endpunkten in OTOBO 10Ja – REST und SOAP API (GenericInterface) analog OTRS, voll kompatibel; Erweiterungen durch zusätzliche Webservice-Pakete möglich
SLA-ManagementJa – umfassendes SLA- und Service-Management (Verträge, Response-/Solution-Zeiten pro Service definierbar)Ja – SLA-Management analog OTRS (Definition von Servicezeiten und Eskalationen pro Queue/Service möglich)
Multi-Channel SupportJa – E-Mail, Web-Portal, Telefon-Tickets, Chat (über Add-on) u.v.m.Ja – E-Mail, Web-Portal, Telefon. (Chat oder soziale Medien via Add-ons von Drittanbietern)
Mobiler ZugriffTeilweise – Kunden-Frontend ist responsive; Agenten-UI optimiert für Desktop, mobile Nutzung über Browser mit Einschränkungen möglichTeilweise – Ähnlich wie OTOBO: Kundenportal in Znuny 7 responsiv; Agenten-Oberfläche primär für Desktop ausgelegt
Integration externer ToolsJa – zahlreiche Integrationen (z.B. Kalender-Sync, CRM-Anbindung, Chatbots) verfügbar; flexible Anbindung über REST/SOAPJa – Integrationen über GenericInterface (REST/SOAP) und Community-Add-ons (z.B. für Monitoring-Tools, CMDB-Import etc.)
Kostenpflichtige FeaturesKeine – alle Features sind open-source (Community-getrieben; Support und Hosting ggf. kostenpflichtig über Dienstleister)Keine – Znuny ist vollständig open-source; professionelle Unterstützung optional über Znuny GmbH oder Partner erhältlich

(Tabelle: Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen OTOBO und Znuny)

Docker-Unterstützung in Znuny und OTOBO

Ein wichtiger Aspekt bei der Wahl des Ticketsystems ist die Bereitstellung und Installation. Hier unterscheiden sich die Ansätze der beiden Forks deutlich in Bezug auf Docker:

OTOBO liefert out-of-the-box eine Docker-Umgebung. Es stehen offizielle Docker-Images bereit, und mittels Docker-Compose kann ein komplettes OTOBO-System (Webserver, Datenbank, Redis-Cache, Elasticsearch, etc.) innerhalb kürzester Zeit installiert und gestartet werden. Dies vereinfacht Tests und Produktivsetzungen erheblich, da Abhängigkeiten vorkonfiguriert sind. Die OTOBO-Dokumentation bietet einen eigenen Abschnitt zur Installation mit Docker und listet die Container (z.B. otobo_web_1, otobo_db_1, otobo_elastic_1 usw.) auf, die für den Betrieb genutzt werden. Durch diese umfassende Docker-Integration ist OTOBO sehr schnell einsatzbereit und Updates lassen sich in Container-Umgebungen ebenfalls unkompliziert durchführen.

Znuny hingegen stellt keine offiziellen Docker-Images zur Verfügung. Die bevorzugte Installationsmethode für Znuny ist die klassische Installation auf einem Linux-Server (Debian/Ubuntu, Red Hat, CentOS etc.) via Paketmanager oder Quellcode-Installation. Zwar existieren inoffizielle Docker-Container aus der Community (etwa auf Docker Hub von Drittanbietern), jedoch werden diese nicht vom Znuny-Projekt selbst gepflegt. Admins, die Znuny via Container nutzen möchten, können auf diese Community-Projekte zurückgreifen, sollten aber beachten, dass der offizielle Support sich auf traditionelle Installationen konzentriert. Für Znuny bedeutet dies etwas mehr manueller Aufwand bei der Einrichtung, dafür aber volle Kontrolle über die Serverumgebung. Viele Znuny-Nutzer schätzen die klassische Installation, da sie an das OTRS-Deployment angelehnt ist. Nichtsdestotrotz wurde in der Znuny-Community der Ruf nach offiziellen Docker-Images laut – eventuell könnte in Zukunft hier eine Veränderung kommen, doch Stand jetzt punktet OTOBO klar.

REST API und Integrationen

Sowohl Znuny als auch OTOBO bieten mächtige Schnittstellen zur Integration in bestehende Systemlandschaften. Über das * GenericInterface* lassen sich REST- und SOAP-Webservices definieren, um z.B. Tickets extern zu erstellen, abzurufen oder andere Aktionen auszuführen.

In OTOBO wurde die REST API noch weiter verbessert und ausgebaut. Die OTOBO-Dokumentation beschreibt detailliert, wie sich über REST vielfältige Automatisierungen umsetzen lassen. Typische Anwendungsfälle sind die Anbindung von CRM-Systemen, die automatische Ticketerstellung aus Formularen oder die Integration mit Chatbots. OTOBO bietet out-of-the-box einige vorgefertigte Endpunkte und es können eigene Endpunkte per Konfiguration hinzugefügt werden. Auch OAuth2-Authentifizierung für API-Zugriffe lässt sich konfigurieren, um sichere Integrationen zu gewährleisten.

Znuny setzt beim Thema API auf bewährte Kompatibilität. Alle Webservice-Schnittstellen, die aus OTRS bekannt sind, funktionieren identisch in Znuny. Dadurch können Unternehmen, die bereits Integrationen auf Basis der OTRS API hatten, nahtlos auf Znuny umsteigen, ohne ihre Schnittstellen anpassen zu müssen. Die Znuny REST API erlaubt ebenfalls CRUD-Operationen auf Tickets, Benutzer, Artikel usw. Über das Admin-Interface können Webservices (REST/SOAP) mit Mapping-Konfigurationen eingerichtet werden. Unterschiede zu OTOBO ergeben sich weniger in der Funktionalität der API selbst – beide Systeme unterstützen ähnliche Use-Cases – sondern mehr in der **Dokumentation und Weiterentwicklung **: OTOBO dokumentiert die REST-API ausführlich im eigenen Handbuch und könnte in Zukunft eventuell erweiterte API-Funktionen bieten, während Znuny sich darauf konzentriert, die vorhandenen Schnittstellen stabil und rückwärtskompatibel zu halten. In der Praxis sind „Znuny REST API“ und „OTOBO REST API“ gleichwertig leistungsfähig – die Wahl des Systems wird hier eher von anderen Faktoren beeinflusst als von der API.

Künstliche Intelligenz im Ticketsystem

Ein spannendes Unterscheidungsmerkmal ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zur Unterstützung im Ticketprozess. Hier hat OTOBO früh Akzente gesetzt, während Znuny sich (noch) zurückhaltend zeigt:

OTOBO bietet ein optionales KI-Modul zur Ticketklassifizierung an. Dieses Plugin (auch OTOBO AI genannt) nutzt Machine-Learning-Algorithmen, um eingehende Tickets automatisch zu analysieren und Kategorien sowie Prioritäten vorzuschlagen. Es kann z.B. anhand des Betreffs und Inhalts erkennen, welche Queue oder welches Thema wahrscheinlich ist, und das Ticket entsprechend vorbelegen. Das KI-Modul läuft in einem separaten Docker-Container und kommuniziert über eine Schnittstelle mit dem OTOBO-Core. Vorteile dieser Lösung sind beschleunigte Reaktionszeiten und Entlastung der Support-Mitarbeiter bei der Vorqualifizierung von Anfragen. Die künstliche Intelligenz in OTOBO steckt zwar noch in den Anfängen, zeigt aber bereits in Pilotprojekten deutliche Effizienzgewinne. Darüber hinaus experimentiert die Community mit Chatbot-Integration und NLP-Tools im OTOBO-Kontext.

Znuny verfügt derzeit über keine integrierte KI-Funktion. Themen wie automatische Kategorisierung oder KI-gestützte Antwortvorschläge werden von Znuny (Stand 2025) nicht offiziell abgedeckt. Allerdings kann man Znuny mit KI erweitern, indem externe KI-Dienste angebunden werden – etwa über die REST API können Tickets an einen externen Machine-Learning-Dienst geschickt und dessen Auswertungen zurückgeführt werden. Dies erfordert jedoch individuelles Customizing. Die Znuny-Community hat das Thema „KI in Znuny“ zwar auf dem Schirm, jedoch liegt der Schwerpunkt des Projekts eher auf Stabilität und Kernfunktionen. Unternehmen, die sofort von KI profitieren möchten, greifen eher zu OTOBO oder implementieren eigene Lösungen für Znuny. Es bleibt abzuwarten, ob zukünftige Znuny-Versionen KI-Features direkt integrieren werden, aber derzeit hat OTOBO in puncto Künstliche Intelligenz im Ticketsystem klar die Nase vorn.

Installation und Demo-Verfügbarkeit

Beide Ticketsysteme sind Open-Source und können frei installiert werden. Die Installation von Znuny und OTOBO folgt klassischen OTRS-Prinzipien, aber OTOBO hat zusätzliche Wege eröffnet, die den Einstieg erleichtern:

  • Znuny Installation: Znuny wird typischerweise auf einem Linux-Server installiert. Offizielle Pakete (RPM/DEB) und Anleitungen gibt es für gängige Distributionen, und die Installation beinhaltet das Aufsetzen von Perl-Modulen, Webserver (Apache/Nginx) und einer Datenbank (MySQL/MariaDB oder PostgreSQL). Znuny stellt dafür Tutorials und die bekannte OTRS Installer-Bash bereit. Da Znuny OTRS 6 entspricht, können Administratoren mit OTRS-Erfahrung die Installation sehr vertraut durchführen. Für Windows existiert keine offizielle Portierung – Znuny richtet sich an Server-Betrieb unter Linux/Unix. Hilfe zur Znuny-Installation findet man in der offiziellen Dokumentation und im Community-Forum reichlich.

  • OTOBO Installation: OTOBO kann ebenfalls manuell auf Linux installiert werden (ähnlich wie Znuny, mit Apache/Perl/etc.). Allerdings empfehlen die Entwickler die Docker-basierte Installation, welche den Prozess drastisch vereinfacht. Mit bereitgestellten Docker-Compose-Dateien lässt sich OTOBO mitsamt aller Komponenten in Minuten hochziehen. Dies reduziert Fehlkonfigurationen und erleichtert Updates. Alternativ gibt es von Rother OSS auch ein Paket-Repository für Ubuntu, sodass Installation und Updating über apt erfolgen können. Insgesamt ist die Erstinstallation bei “Znuny vs OTOBO” mit OTOBO dank Docker tendenziell schneller erledigt, während Znuny eher traditionellen Setup-Schritten folgt. Beide Systeme benötigen ähnliche Voraussetzungen (Perl 5, Datenbank, Webserver); Unterschiede liegen mehr in den bereitgestellten Installationswegen.

Was die Demo-Verfügbarkeit angeht, gibt es ebenfalls Unterschiede: Eine Znuny Demo zum direkten Ausprobieren wird vom Projekt selbst nicht öffentlich angeboten – Interessenten müssen Znuny eigenständig installieren oder einen der inoffiziellen Demo-Container nutzen. OTOBO hingegen kann unkompliziert getestet werden: Entweder man nutzt die Docker-Installation lokal, oder man wendet sich an Dienstleister wie Softoft, die eine gehostete OTOBO-Demo anbieten. Auf der offiziellen OTOBO-Website steht ein Formular bereit, um eine persönliche Demo anzufordern. Dadurch können potenzielle Anwender OTOBOs Oberfläche und Funktionen vorab live erleben, ohne selbst installieren zu müssen. Zusammengefasst: Wer schnell eine Umgebung zum Ausprobieren sucht, wird bei OTOBO einfacher fündig, während man bei Znuny bereit sein sollte, eine kurze Installation durchzuführen – was mit etwas Docker-Erfahrung allerdings ebenfalls sehr schnell gehen kann.

Einsatzbereiche und Vorteile

Beide Systeme eignen sich für eine Vielzahl von Einsatzbereichen im Service Management. Znuny wie OTOBO werden erfolgreich für IT-Support/Helpdesk, Kundenservice-Hotlines, interne ITIL-Prozesse (Incident/Problem/Change Management), Facility Management und viele weitere Szenarien genutzt. Durch die gemeinsame OTRS-Wurzel erfüllen beide einen ähnlichen Zweck, doch je nach Anforderung kann das eine oder andere System Vorteile bieten:

  • Znuny spielt seine Stärken vor allem dort aus, wo Stabilität, Langzeit-Support und Kontinuität gefragt sind. Unternehmen, die bereits lange mit OTRS gearbeitet haben, schätzen an Znuny die vertraute Umgebung und die Zusicherung langfristiger Sicherheitsupdates (insbesondere mit der LTS-Version). Zudem existiert rund um Znuny ein großer Fundus an Community-Modulen, die spezielle Branchenlösungen ermöglichen. Die Lernkurve für OTRS-erfahrene Administratoren und Agents ist minimal – man fühlt sich sofort heimisch.

  • OTOBO punktet in Umgebungen, die moderne Features und Benutzerfreundlichkeit in den Vordergrund stellen. Das neue Kundenportal und die frischen UI-Elemente kommen bei Endanwendern gut an. Funktionen wie die Elastic-Suche oder integrierte KI erhöhen die Effizienz im Support-Prozess. Dank Docker kann OTOBO schnell in Cloud-Umgebungen skaliert oder für Testzwecke dupliziert werden. OTOBO wird oft von Organisationen gewählt, die einen innovativeren Weg gehen und sich nicht scheuen, einen etwas jüngeren Fork mit kleineren (aber agilen) Entwicklerteams einzusetzen.

Letztlich hängt die Entscheidung Znuny vs. OTOBO von den spezifischen Anforderungen, der vorhandenen Infrastruktur und den strategischen Zielen des Unternehmens ab. Beide Lösungen sind kostenfrei und open-source, sodass kein Lizenzrisiko besteht – es kommt darauf an, welche Prioritäten man setzt (Stabilität vs. Innovation, Familiarität vs. moderne UI, etc.).

Fazit

Znuny und OTOBO teilen gemeinsame Wurzeln in der OTRS Community Edition, entwickeln sich jedoch in teils unterschiedliche Richtungen weiter. OTOBO überzeugt mit einer modernen Benutzeroberfläche, zusätzlichen Features ( z.B. KI-Modul) und einem komfortablen Deployment über Docker. Znuny setzt auf Zuverlässigkeit und starke Community-Unterstützung – es integriert Neuerungen behutsam und gewährleistet langfristige Pflege des OTRS-Erbes. Einen klaren „Gewinner“ gibt es nicht: Beide Ticketsysteme gehören zu den besten Open-Source-Lösungen am Markt. Die Wahl zwischen ihnen hängt letztlich von den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen des Nutzers ab. Es empfiehlt sich, beide – wenn möglich – in einer Demo oder Testumgebung auszuprobieren, um herauszufinden, welche Lösung für das eigene Unternehmen am geeignetsten ist. In jedem Fall profitiert man von der Flexibilität und dem Know-how der OTRS-Community, die in beiden Projekten weiterlebt.

Quellen

  • Znuny Website: Offizielle Webseite des Znuny-Projekts mit Downloads, Dokumentation und Blog.
  • OTOBO Website: Offizielle Webseite von OTOBO (Projektseite der Rother OSS GmbH) mit Feature-Beschreibungen und Ankündigungen neuer Versionen.
  • Znuny Roadmap & Blog: Ankündigungen zu Znuny 7 (z.B. UI-Redesign, geplanter OAuth2-Support) auf znuny.org.
  • OTOBO Dokumentation: Online-Dokumentation auf otobo-docs.softoft.de (u.a. zur Docker-Installation und REST API, sowie KI-Plugin).
  • Community-Foren: Erfahrungsaustausch zu Znuny und OTOBO in Foren (community.znuny.org, OTOBO Forum) – z.B. Berichte über Migration von OTOBO zu Znuny, oder Einsatz von Docker für OTRS-Forks.